Grenze erreicht ?
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Grenze erreicht ?
from anniidol on 07/14/2009 01:04 PMHauptsächlich an die Berufstätigen gerichtet:
-habt Ihr manchmal das Gefühl "ich hab meine Grenze erreicht" ?
-wann, wie merkt Ihr das ?
-was tut ihr dann ?
-was sagt ihr dem Arbeitgeber ?
-in welchen zeitlichen Abstand braucht Ihr eine Auszeit ?
Würde mich mal interessieren. Ich bin der Meinung es gibt so ein Gefühl, der physischen und psychischen Erschöpfung bei uns und allgemein bei chronisch Kranken, das man schlecht beschreiben kann aber def. manchmal da ist u. irgendwann auch nicht mehr zu ertragen ohne sich eine Auszeit zu nehmen.
Freue mich über Beiträge.
Annette
"Die Wesen mögen alle glücklich leben, und keinen möge ein Übel treffen. Möge unser ganzes Leben Hilfe sein an anderen! Ein jedes Wesen scheuet Qual, und jedem ist sein Leben lieb. Erkenne dich selbst in jedem Sein und quäle nicht und töte nicht."
(Gautama Buddha, 560-480)
Re: Grenze erreicht ?
from NiNoa on 07/14/2009 01:31 PMHallo Annette,
da meine Diagnose SLE noch gar nicht so alt ist (Feb. 08), aber die Belastung durch die Krankheit schon seit 12 Jahren existiert, musste ich erst einmal in mich gehen ob deiner Fragestellung
.
Ich würde sagen, mind. einmal pro Jahr habe ich das Gefühl "Ende im Gelände"!!! Ich kann es weder an der Jahreszeit noch unbedingt an der körperlichen Belastung festmachen, sondern eher am Psychischen. Das ist dann so der Punkt, wo ich morgens einfach nicht mehr raus will
. Klar, bei strömendem Regen oder so fällt alles schwerer, aber das ist es nicht. Manchmal ist es auch der "Nachklapp" von einer Belastung, wie aktuell meine Nierengeschichte. Könnte mir vorstellen, dass mich das in 2-3 Monaten rückwirkend total einbrechen lässt (war schon öfter so).
Hm, was tue ich dann?? Mein Chef merkt aktuell z.B. von selbst (und anhand meiner Fehlzeiten
), dass mal wieder etwas im Busch ist. Daher haben wir dann meist ein Gespräch und er fragt mich, wie der Stand ist und ob ich mit dem, was ich tue, noch klarkomme. Meist kann ich sagen: Es geht noch. Manchmal muss ich aber für eine Zeit auch ein paar Dinge abgeben und kann sie mir, wenn es mit besser geht, zurückholen. Zur Info: ich arbeite 22h/Woche in einem Büro als Assistenz der GF.
Grds. fände ich es großartig, wenn ich neben meinem normalen Urlaub (23 Tg/Jahr + 4 Sonderurlaub Schwebi) so einmal pro Jahr eine kleine Erholungskur machen könnte. Abschalten, nix tun, gesund werden. Und die dann gerne bei Bedarf
. Soviel zum Wunschkonzert, haha
.
Alles in Allem bin ich -glaube ich- recht gut dran. Und dennoch kenne ich das von dir Beschriebene sehr gut - leider..
Wünsche dir eine "gute" Grenze! LG, NiNoa
"Ich habe unter denen, die sich einer unerschütterlichen Gesundheit erfreuen, noch keinen getroffen, der nicht nach irgendeiner Seite hin ein bißchen beschränkt gewesen wäre; wie solche, die nie gereist sind." André Gide (1869-1951)
Re: Grenze erreicht ?
from mondbein on 07/14/2009 02:10 PMAnnette, ich bin zwar nicht mehr berufstätig, aber eine Familie zu haben reicht mir schon voll und ganz (von der Belastung her gesehen, ansonsten kann und will ich nicht ohne sie...).
Aktuell gestern: Mann uns Sohn haben für den Urlaub gepackt (China-Rundreise) - den ganzen Tag über gab es etwas, wo meine Meinung gefragt war. Ich hatte keine Zeit, mal richtig abzuschalten. Gegen 22 Uhr bekam ich dann Schüttelfrost und Brechreiz und habe mich endgültig in mein Bett gelegt.
Heute geht es wieder, aber ich tue auch gar nichts, außer abhängen und entspannen.
Meine Auszeit nehme ich mir jetzt und in den nächsten Tagen...
Alles Gute,
Monika
Die beste Medizin gegen entgleiste Größenordnungen ist die Lektüre von Todesanzeigen.
Hoffnung ist eben nicht Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat - ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.
Václav Havel
Ewig währt am längsten!
Re: Grenze erreicht ?
from sauselinchen on 07/14/2009 05:55 PMHallo Annette ,
habe sehr oft das Gefühl , es reicht .. ich kann nicht mehr ..
kann dann körperlich nicht mehr , bin ausgebrannt , totmüde ,kann dann vor Schmerzen in den Knochen weder sitzen noch gehen,dann gehts ab ins Bett ( mit Fernseh
natürlich ).
Psychisch gehts mir gut , am Anfang wo ich die Diagnose bekam , ja da war ich echt fertig , aber mittlerweile komm ich mit der Krankheit von der Psysche sehr gut klar . Ich sag mir ,: ich kanns eh nicht ändern , also mach das beste draus .
Habe vor 4 Monaten eine Psychotherapie angefangen ( auf anraten meines Arztes , da ich noch einige diverse andere Wehwehchen habe ) , aber ganz erlich : die bringt mir garnichts , fühl total fehl am Platz .Weiß nicht worüber ich mit der Therapeutin reden soll , hätte ich bei der Diagnosefeststellung direkt einen platz gehabt , ich glaub da hätte es mir was gebracht , aber leider muss man ja bis zu einem dreiviertel Jahr warten , ja und in der Zeit , hab ich mich halt selbst aus dem Tief geholt.
Die körperlichen Beschwerden die machen mich fertig ( dabei kann mir auch keine Psy.therapie helfen ) , ich habe jetzt von meinen Vollzeitjob in einen Teilzeitjob gewechselt . Ich hab über 20 Jahre in der Altenpflege gearbeitet , aber es ging jetzt nicht mehr , bin aus den Schmerzen nicht mehr rausgekommen . Ich habe jetzt in den sozialen Dienst gewechselt , wollte umbedingt in der Altenarbeit weiter tätig sein. Habe jetzt keine körperliche Arbeit mehr , arbeite hauptsächlich mit Demenzkranken , sprich - viel Beschäftigungstherapie , wie Backen - Kochen - spazieren gehen - Gedächnistraining , Basteln , u.s.w.
Habe zwar auch Tage dazwischen , wo ich so richtig platt von der Arbeit komme , aber so gut wie Schmerzfrei.
Wenn dann mal wieder ein Schub kommt , komm ich bis jetzt mit den Schmerzmitteln und Cortison recht gut klar.
Muss dabei sagen , bis jetzt hatte ich immer Schübe die sich so zwei bis drei Wochen hinzogen , ohne Krankenhausaufenthalt , somit hab ich die beim Arbeitgeber als Grippe durchgemogelt ( er weiß nichts von meiner Krankheit ).Und die Minnischübe die ich regelmäßig habe , die bekomme ich mit den Schmerzmitteln in den Griff , bisher ohne Krank zu machen.
Wenn ich so richtig platt bin , dann bin ich teilweise schon um 17 Uhr im Bett , soll heißen , dann lass ich Haushalt - Haushalt sein , dann versorgen sich mein Mann und die Kinder mal selbst , was halt nicht geht , geht halt nicht.
Komme so immoment recht gut klar , hoffe das es noch lange so bleibt.
Und das was halt noch kommen wird , da versuch ich dann halt das beste draus zu machen.
LG Claudia
"" Herr , gib mir die Gelassenheit Dinge anzunehemn ,die man nicht ändern kann. "

carosada
Deleted user
Re: Grenze erreicht ?
from carosada on 07/14/2009 08:35 PMLiebe Annette,
ohja, das Gefühl habe ich sehr oft. Obwohl ich schon so lange in Remission bin, fühle ich mich oft total ausgelaugt, und richtig krank. Ich muss auch zugeben, dass es manchmal (2-3x im Jahr) vorkommt, dass ich in der Früh aufstehe und wenn es mir nicht total gut geht, ich im Büro anrufe und mich krank melde. Das ist so ein bestimmtes Gefühl. Da wache ich in der Früh auf, und weiß genau, dass ich nicht arbeiten gehen kann. Da leg ich mich dann wieder nieder und schlaf den halben Tag....
Obwohl ich ja "nur" 3 Tage in der Woche arbeite, fühle ich mich trotzdem oft total erledigt.
Naja, und das schlechte Gewissen plagt mich dann auch immer....weil ich genau weiß, dass es die Anderen nicht verstehen, dass eine Teilzeitkraft so schlapp machen kann.
Meinem Chef mach ich da nichts vor. Er weiß, dass ich 50% Erwerbsminderung habe und dass es mir manchmal nicht gut geht. Ich hab ihm auch gesagt, dass ich Medikamente nehme, und die natürlich auch so ihre Nebenwirkungen haben. Ich glaub er versteht das. Aber die Kollegen....natürlich nicht alle, aber hie und da kriegt man halt immer wieder blöde Bermerkungen zu hören.
Das Gute ist nur, ich "überhöre" die Meldungen so gut es geht. Früher haben sie mich verletzt.
Aber je älter ich werde umso gleichgültiger stehe ich dem Gegenüber.....das Positive am Älterwerden
Re: Grenze erreicht ?
from Micky on 07/14/2009 09:07 PMHallo Annett,
ich bin leider ein Kandidat, der seine Grenzen lange Zeit vollständig ignoriert hat.
Um 22 Uhr nach Hause kommen, um 23:30 Uhr in der Notaufnahme und am nächsten Tag um 8 Uhr wieder am Schreibtisch. Der Traum jedes Arbeitgebers! 
Heute denke ich, der Körper gibt dir schon Zeichen, wann es gut ist. Ignoriert man die, werden sie deutlicher. Das kann man so weit treiben, bis man wirklich in der Ecke liegt und nicht mehr kann. Man wird damit quasi zum Ruhen gezwungen.
Ich war irgendwann soweit, dass ich mich auch 6 Stunden am Tag nur noch gequält habe. Das Ende vom Lied: dauerhaft AU. 
Darum lass es nicht so weit kommen. Horche in dich rein und sei gut zu dir selbst!
Gruß Micky
Conny
Deleted user
Re: Grenze erreicht ?
from Conny on 07/14/2009 10:24 PMHallo Annette,
ich habe fast 22 Jahre Lupus. Bin seit 1990 am Arbeiten halbtags und mein Arbeitgeber hat mich mit dieser Krankheit eingestellt. Hatte 16 Jahre nur Hautlupus, und sehr viel Glück gehabt, wenig Krankheitstage, habe gemerkt, wenn ich zuviel gearbeitet habe, dass dann die Müdigkeit und die Stimmungsschwankungen ziemlich extrem waren, dass war dann ein Zeichen etwas kürzer zu treten. Hatte ich auch alles ziemlich gut im Griff, im 17. Jahr bekam ich wieder die extreme Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Bauchschmerzen, Haarausfall war auch dabei mir ging es von Tag zu Tag schlechter. Bin dann zum Arzt Blutuntersuchung irgend etwas stimmt mit den roten Blutkörperchen nicht.
Dann wurde Magen- u. Darmspiegelung gemacht ohne Befund und dann wurde auf Lupus untersucht. Der erste Test war positiv und ich wurde in die Uni überwiesen. Diagnose SLE mit Zerstörung der roten Blutkörperchen, da war ich dann 6 Monate krankgeschrieben, 3 Wochen Reha und dann ging es mir wieder richtig gut, habe meine Medis genommen und bin zur Kontrolle in die Uni, und habe so weiter gemacht, wie vorher. Dann kam soviel Stress im privaten Bereich, Arbeitsbereich, habe vorher schon einige Male das Gefühl gehabt, ich kann nicht mehr, aber ich habe weiter gemacht. Dafür bekam ich Ende Juni 2008 die Quittung, diesmal war es nicht der Lupus, sondern ein Burn Out, die Psychologin meinte ich hätte Depri.
, ich sagte zur Ihr, dass ich eine Auszeit brauche und eine Reha. Wenn es mir dann immer noch schlecht gehen würde, würde ich wieder kommen.
Habe dann bis Okt. 2008 für eine Reha gekämpft und durfte dann im Dez. 2008 für 5 Wochen nach Bad Eilsen. Die 5 Wochen aus dem ganzen Alltag raus hat mir sehr viel gebracht, habe nette Leute kennengelernt, die alle chron. Krank so wie wir sind, und irgendwie doch alle die selben Probleme haben. So konnte ich dann im Feb. 09 mit der Wiedereingliederung beginnen, und habe einen neuen Arbeitsplatz bekommen, und jetzt geht es mir gut. Achte aber immer noch darauf, dass ich nicht wieder in der alten Trott verfalle. Ich sage mir immer wieder, dass die Gesundheit vor geht, bin gespannt wie lange ich mich daran halte.
Liebe Grüße Conny
Re: Grenze erreicht ?
from anniidol on 07/15/2009 09:20 AMDanke für die Antworten bisher. Für mich sind die Gemeinsamkeiten eindeutig u. ich denke jeder versteht genau was der andere meint.
"Die Wesen mögen alle glücklich leben, und keinen möge ein Übel treffen. Möge unser ganzes Leben Hilfe sein an anderen! Ein jedes Wesen scheuet Qual, und jedem ist sein Leben lieb. Erkenne dich selbst in jedem Sein und quäle nicht und töte nicht."
(Gautama Buddha, 560-480)
Re: Grenze erreicht ?
from Esther on 07/15/2009 11:14 AMja - ich kann mich da anschließen.
eigentlich habt ihr alles schon irgendwie beschrieben. meine grenze ist auch erreicht.
im moment versuch ich mir meine grenze selbst "runterzudrehen" - also ich will weniger leisten wollen.
(das ist zwar nicht deutsch
- aber ihr versteht mich schon....)lg esther
Wer Fragen stellt, muss auch akzeptieren, dass er Antworten bekommt.

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