Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
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Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von SabineS am 16.06.2009 23:07Sorry, aber ich habe grad nen Schreikrampf bekommen, als ich das Thema gelesen habe. Sich das Kind "aussuchen" und wenns nicht "passt" reklamieren??? Hallooooooooooo???
Kaum zu glauben, dass Menschen so denken können...
Ich bin echt sprachlos...! 

LG, Sabine S
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Gabi
Gelöschter Benutzer
Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von Gabi am 16.06.2009 23:23Traurige Realität, Sabine,
ein kürzlich erschienener Bericht über eine Fertilitätsklinik in Norddeutschland berichtete über die Erlebnisse dort.
Ein Ehepaar mit - ich glaube, bereits zwei Kindern - wollte unbedingt noch ein drittes und ließ dort erneut eine künstliche Befruchtung vornehmen. Das gewünschte Dritte war "leider" zu zweit - mit dem Ergebnis, dass die Mutter die Schwangerschaft abbrach......ist das nicht ein krasser Gegensatz zwischen Anspruchsdenken ("will haben, egal wie") und gelebter Verantwortung?
Auch hier Kind nach "Bestellung", diesmal inkl. "Rückgabe" bei Nichtgefallen - Zynismus pur!
Dieses Geschehen war sicher auch für das Personal hart an der Grenze des Erträglichen.
Moral von der Geschicht: eine zunehmende Anzahl von Menschen mitten in modernen Gesellschaften (vielleicht gerade dort) sieht Kinder als eine Art "Konsumartikel" - und geht auch so damit um.
Ist das nicht eine furchtbare Entwicklung?
Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von Esther am 17.06.2009 09:03boah !
also das ist ja wirklich krass !!!!!
hoffentlich schwappt dieser "Amerikanismus" nicht zu uns rüber.
(von wegen "anzeigen was geht" und "anzeigen egal was passiert" usw.) --- leider gottes ist das in anderen bereichen (zb sport etc.) schon bei uns gelandet.
ich finde das so entsetzlich - dass menschen nicht der natur ihren lauf lassen können. und das es ein "falsches" geschlecht überhaupt gibt ??????
und dass ein ehepaar eine künstliche befruchtung abbrechen ? Für mich ist das schlicht und ergreifend so was von widersprüchlich.
ich find das voll die frechheit. zuerst ein baby wollen - und dann einfach "na ja - wenn´s 2 sind - dann mag ich sie doch nicht" ......
oh mann - ich reg mich jetzt grad voll auf !!
Wer Fragen stellt, muss auch akzeptieren, dass er Antworten bekommt.
Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von sungmanitu-wakan am 17.06.2009 09:24Und in Indien (und nicht nur dort)werden seit Jahrzehnten weibliche Föten abgetrieben und seit Jahrtausenden werden weibliche Säuglinge ausgesezt bzw. gleich umgebracht.
Erst habe ich gemerkt, daß es so ist -
und dann habe ich begriffen warum es nicht anders sein kann.
Und doch will ich das es anders wird!
Tucholsky
Gabi
Gelöschter Benutzer
Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von Gabi am 17.06.2009 11:09@all
Susanne hat Recht. Eine Tochter ist z. B. in Indien eine "existenzielle Bedrohung" (in materieller Hinsicht!) und wird - was ja auch in zahlreichen anderen Staaten mehr oder weniger offen gehandhabt wird - als "minderwertig" betrachtet.
Gewisse Vertreter der "modernen" und auch der "traditionellen" Medizin begünstigen Benachteiligungen von diesem Kaliber, indem sie bei der Selektierung helfen; diese betrifft noch immer wesentlich häufiger das weibliche Geschlecht, weil fast nirgendwo auf der Welt Frauen gleichgestellt sind.
Das gilt übrigens auch für die angeblich zivilisierte Welt - auch hier gibt es zahlreiche messbare Nachteile für Frauen.
Klingt traurig und ist leider wahr 
LG, Gabi
Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von Micky am 17.06.2009 11:31Anders als in Deutschland ist es in Amerika problemlos möglich, auch immaterielle Schäden geltend zu machen. Zu den dort möglichen Schadensersatzsummen muss ich nichts sagen, denke ich....
Die Schadensersatzforderung der amerikanischen Eltern ist daher m. E. nicht auf das Baby bezogen, sondern auf eine zugesagte Leistung (sichere Geschlechtsbestimmung) die de facto nicht erbracht wurde.
Dass Schadensersatzansprüche im deutschen Recht noch ganz anders gehandhabt werden und sich nahezu ausschließlich auf entstandene Sach- und Vermögensschäden beziehen, beeinflusst auch unser aller Denken und Sichtweise in diesem Sachverhalt.
Wir können uns noch vorstellen, dass der blaue Kinderwagen oder die rosa Kleidchen nun "falsch" eingekauft und nicht mehr einsetzbar sind und wir dieses Geld wieder zurück wollen. Ähnlich gelagert wäre ein Fall von Schwangerschaft trotz Sterilisation, wo ggf. Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden könnten.
Wie schon gesagt, Amerika und Deutschland sind da nicht vergleichbar. Ein anderes Land, ein anderes Lied.....
Gruß Micky
Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von sungmanitu-wakan am 17.06.2009 15:52Genau:
Wir trafen neulich ein entfernt bekanntes, für meine unterentwickelte Gegend wohlhabendes Paar mit Kinderwagen. Als Frau interessiert man sich natürlich für den Inhalt, ich fragte also die üblichen Daten ab. Bekam auch Geschlecht, Namen, Gewicht, Größe und Alter kurz angesagt und das frau selbstverständlich per Kaierschnitt entbunden hätte, man müsse ja planen. (Die Narbe ist so gut wie nicht zu sehen)
Und dann berichteten beide geschlagene zehn Minuten über die Probleme beim Kauf stylischer Babyklamotten und -ausrüstung und das man dafür bis Berlin fahren müßte, über den Stress mit den Bauleuten beim Umbau des Hauses und die Probleme bei der Beschaffung geeigneter Aupair-Mädchen.
Als der Bericht beendet war und wir uns (schleunigst) verabschiedet hatten kommentierte ich, das wohl heutzutage Babies soetwas wie das passende Accessoire zur Sommergarderobe darstellen, das was noch fehlt wenn man schon alles hat.
Dachte dabei das ich wohl etwas ironisch überhöhe, aber wenn ich den Thread so lese hab ich wohl noch untertrieben. AAArrrggghh!
Erst habe ich gemerkt, daß es so ist -
und dann habe ich begriffen warum es nicht anders sein kann.
Und doch will ich das es anders wird!
Tucholsky
Gabi
Gelöschter Benutzer
Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von Gabi am 17.06.2009 16:15Deine Ironie ist durchaus angebracht, Susanne!
Sicher trifft diese Haltung längst nicht auf alle potenziellen Eltern zu, aber die Entwicklung finde ich dennoch bedenklich.
Es gibt mehrere Maximen:
1. Mein Haus, mein Auto und Zweitauto, mein Pferd, mein Swimmingpool und meine Segelyacht - danach Langeweile und zur Komplettierung eben noch ein Kind (und das bitte schön, handlich und ohne Beeinträchtigung der mütterlichen "Integrität"; also mit Kaiserschnitt, Nanny, Internat und Karrieregarantie) - sozusagen als besonderes Accessoire...
Bestätigt sehe ich mich durch die zunehmende Zahl von (ein Irrsinn!) alternden Frauen nahe oder jenseits der Menopause (ich darf das sagen, ich gehöre in diese Altersgruppe
), die dem Traum von der ewigen Jugend nachlaufen und nicht nur ihren Body und ihr Face entsprechend "gestalten" lassen, sondern auch noch die Dienste dubioser Fruchtbarkeitsspezialisten gegen viel Geld und vor allem gegen jede Vernunft konsultieren.
2. Kinder gehören zum "Bild" vom Erfolg - aber bitte, man darf sie weder hören noch dürfen sie den Lifestyle oder die Karriere irgendwie stören!
Also (den Rat hörte ich, als meine heißersehnte Tochter 4 Wochen alt war, von einem Vater, dessen zweiter Sohn gerade 6 Wochen zu früh und als Problemkind zur Welt gekommen war!): "das Wichtigste, was ihr jetzt regeln müsst, ist einen zuverlässigen Babysitter zu besorgen" 
Auf ein fröhliches "Leben mit Kindern"
- seine Ehefrau (eine überzeugte Lehrerin), die ich bis dahin sehr mochte, erholte sich von der Geburt des für mindestens 1 Jahr dauergemonitorten Kindes nach ca. 8 Wochen mit einem Urlaub an der Ostsee - ohne beide Kinder und Mann, versteht sich!
3. Kinder haben viele Wünsche zu erfüllen, vor allem aber die, die ihre Eltern bisher nicht umsetzen konnten....und das Studienfach inkl. nachfolgender Laufbahn werden manchmal schon im Grundschulalter minutiös geplant - das Glück der Sprösslinge ist dabei kein Thema.
4. Au-pair-Mädchen sind en vogue - in meinem örtlichen (DORF!) Umfeld, mit dem ich außer "Sichtweite" wenig zu tun habe, war darum fast ein gewisser Konkurrenzdruck entstanden - jeder wollte ein Au-pair-Mädchen haben 
Naja. Darüber könnten wir Stunden philosophieren und diskutieren - ich finde die Gesamtentwicklung alles Andere als beruhigend 
LG, Gabi
Doris
Gelöschter Benutzer
Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von Doris am 17.06.2009 22:03@Gabi, Du sprichst mir aus der Seele!
Re: Vorgeburtlicher Geschlechtstest - wo leben wir??
von Kaffeejunkie am 18.06.2009 00:24Ich denke auch, in dieser Hinsicht sind Amerika (Nord) und Deutschland einfach nicht vergleichbar.
Sicher habt ihr mit euren angeführten Punkten bezüglich der Ethik Recht, aber versucht doch einfach auch mal die andere Seite zu sehen.
In den USA hat eine solche Information vor der Geburt nämlich nicht nur – wie hier – die Auswirkung blaues/rosa Kinderzimmer, sondern einen ganz anderen Stellenwert.
Dort ist es üblich, bereits einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin eine sogenannte „Baby Shower“ Party zu veranstalten. Diese wird von einer Freundin der werdenden Mutter veranstaltet. Zu dieser Party kommen Verwandte, Bekannte, Nachbarn, Arbeitskollegen etc. Da können locker 40 – 50 Leute oder mehr zusammenkommen.
Daher hinterlegen die werdenden Eltern häufig in einem Geschäft eine „Wunschliste“, von der sich die Gäste dann etwas aussuchen, was sie schenken. Im Prinzip so, wie es hierzulande auch viel bei Hochzeiten gemacht wird.
Für die werdenden Eltern ist es natürlich viel einfacher, eine solche Liste zusammenzustellen, wenn sie über das Geschlecht vorab informiert sind, gerade wenn es sich um „geschlechtsspezifische“ Geschenke handelt.
Eine falsche Information hat also eventuell nicht nur das in der „falschen Farbe“ gestrichene Zimmer zur Folge.
Ich würde mir wünschen, dass nicht immer alles gleich so negativ interpretiert wird. Natürlich kann es auch sein, dass eine Mutter nun vielleicht enttäuscht ist, doch ein Mädchen zu bekommen, obwohl ihr ein Junge „zugesichert“ wurde. Es kann aber auch ganz andere Gründe für die Klage geben.
Kaffeejunkie

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