Geld oder Leben - Was hat im Krankenhaus Vorrang?
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kleine_raupe
Gelöschter Benutzer
Re: Geld oder Leben - Was hat im Krankenhaus Vorrang?
von kleine_raupe am 04.10.2012 15:38Hallo,
Mir ist beim lesen die Frage in den Sinn gekommen, ob das alles so verwundernswert ist? Schockieren ist es alle mal! Denn leider bieten viele Kliniken mit Chefarztverträgen der besonderen Art falsche Anreize. Dann heißt es leider für die Ärzte Geld oder leben. Denn ob die Krankenhausbetten voll sind obliegt allein dem Arzt, volle Betten sind gute Betten! Die Rechnung ist ganz einfach je mehr Patienten desto mehr Geld.
Patienten sind Kunden und die Ärzte sind Dienstleister. Nur bei Massenabfertigung und unnötigen Behandlungen und Therapien klingelt die Kasse, auch im folgenden Jahr. Dann passieren schlimme Fehler weil ein Chirurg eben mal schnell noch zwei Kniegelenke mehr operieren müssen, ist erstens gut für den Gehaltscheck und die Diskussion beim Vorstand, der Klinikleitung oder bei wem auch Immer ist nicht so groß wenn man im vergangenen Monta 15 Patienten weniger als in diesem Monat aufgeschnippelt hat. Ich denke das ist nicht die Ausnahme sondern die Regel!
Außerdem ist mir dabei auch der Gedanke an Organspende gekommen und die ganzen Skandale die damit verbunden sind. Auch hier bin ich der Meinung, dass es kein Wunder ist. Wenn es eine Gesetzliche Regelung gebe, das jeder ein potentieller Spender ist bzw. alle paar Jahre dazu befragt wird wie er dazu steht, dann wären auch viele Ärzte nicht so in der Zwickmühle wie bisher! Denn ich denke wenn es genügend Spender und somit auch Organe gebe müsste man keinem Patienten ein noch schlimmeres Krankheitsbild andichten!
Aber das nur so am Rande, ist wohl auch eher ne Grundsatzdiskussion!
Traurig ist das!
Lg
Geld oder Leben - Was hat im Krankenhaus Vorrang?
von Leya am 04.10.2012 04:35Hallo,
die möglicherweise langen Ladezeiten lohnen sich m. E.:
Mit der Gesundheitsreform sollten Krankenhäuser effizienter, billiger, transparenter werden. Die Operation ist gelungen. Aber den Patienten geht es nicht gut. Fünf Klinikärzte berichten aus ihrem Alltag.
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Immerhin ist der Mann nicht an unserer Behandlung gestorben. Selbst das kann man hier leider nicht ausschließen. Wie bei der Patientin, die mit einem Speiseröhrenkarzinom zu uns kam. Sie ist Ende 40, geschieden und todkrank. Ihre Eltern sind alt. Es gibt niemanden, der sie vor unserer Behandlung schützen kann. Der Krebs hat bereits in die Wirbelsäule und die Leber gestreut. Sie hat nur noch Wochen zu leben. Zu uns kommt sie zur Strahlentherapie. Anfangs läuft alles komplikationslos. Die Metastasen werden kleiner, die Lähmungserscheinungen bilden sich zurück. Aber die Bestrahlung hat ihr Immunsystem geschwächt. Plötzlich entwickelt sie eine Blutvergiftung mit hohem Fieber und ist kaum noch ansprechbar. Ein solcher Verlauf ist nicht ungewöhnlich: Oft genug ist es eine Sepsis, an der diese schwer kranken Menschen schließlich sterben. Wir haben sie fast schon aufgegeben, als es ihr plötzlich besser geht. Zumindest ein bisschen. Das Fieber ist gesunken, man kann wieder mit ihr sprechen. Sie ist dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen. Das einzig Vernünftige wäre, sie jetzt in Ruhe zu lassen. Ich schlage meinem Chef vor, sie nach Hause oder in ein Hospiz zu entlassen. Er: »Die Strahlentherapie ist noch nicht beendet, und sie liegt schon viel zu lange bei uns.« Ich verstehe: Wenn die Patientin deutlich weniger Bestrahlungen erhält als ursprünglich geplant, dann gibt es dafür auch deutlich weniger Geld. Also wird sie weiter bestrahlt. Jede weitere Bestrahlung schwächt ihren sowieso schon stark angegriffenen Körper noch mehr und macht sie anfälliger für weitere Infektionen. Wenn wir sie weiter bestrahlen, dann bringen wir sie möglicherweise um. Aber sterben darf sie erst, wenn die Strahlentherapie beendet ist. Sie ist zu krank, um sich zu wehren. Ihre Familie durchschaut das Problem nicht. Wie auch? Sie vertrauen uns ja. Ich könnte ihr abraten. Aber das würde mein Chef merken, und dann hätte ich ein Problem. Außerdem komme ich in dem Moment nicht darauf, das zu tun: Wer in dieser Klinik arbeitet, macht sich bald ihre Denkweise zu eigen. Erst später habe ich verstanden, was wir da getan haben: Wir haben dieser Frau ihre letzten Wochen versaut. Sie verbringt sie in halb wachem Zustand, kaum ansprechbar für ihre Familie. Als sie die unnötige Therapie abgeschlossen hat, ist sie schwach und aufgedunsen, sie kann das Bett nicht mehr verlassen. Und jetzt? »Machen wir sie palliativ«, sagt der Chef. Finanziell ist sie für uns uninteressant geworden, nun darf sie in Ruhe sterben...........................
Quelle: http://www.zeit.de/2012/21/Klinik-Gesundheitsreform/komplettansicht
Auf den vorgenannten Artikel bezieht sich der folgende und die anschließende Diskussion:
Geld oder Leben Was hat in Krankenhäusern Vorrang – der Profit oder die Patienten?
.......die Flut von Leserbriefen, die uns nach Erscheinen unserer Titelgeschichte Das Ende der Schweigepflicht erreichte. Darin hatten Ärzte aus dem Alltag ihrer Krankenhäuser berichtet und geklagt, wie sie immer häufiger in den Interessenskonflikt zwischen dem Wohl der Patienten und den Gewinnerwartungen ihres Hauses gerieten...........
http://www.zeit.de/2012/39/Krankenhaus-Aerzte-Patienten/komplettansicht
So kennen sie den Alltag im Medizinbetrieb. Sie haben erfahren, dass manchmal der Profit wichtiger als das Wohl des Patienten ist. Ein Gespräch über das, was sich in Krankenhäusern ändern muss
DIE ZEIT: Einige von Ihnen haben uns Leserbriefe geschrieben, in denen Sie die Folgen eines durchökonomisierten Klinikalltags beklagen. Können Sie Beispiele erzählen?...............
http://www.zeit.de/2012/39/Krankenhaeuser-Medizinbetrieb-Gespraech/komplettansicht
Gruß
Leya
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