"In meinem wilden Herzen" *RILKE*
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Re: "In meinem wilden Herzen" *RILKE*
from We-No-Nah on 10/16/2009 10:40 AM
DIE LIEBENDEN <== klick
Sieh, wie sie zueinander erwachsen:
in ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend kreist.
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache und sieh : sie bekommen zu sehn.
Laß sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.
*Rainer Maria Rilke*
Re: "In meinem wilden Herzen" *RILKE*
from We-No-Nah on 10/16/2009 10:21 AMRe: "In meinem wilden Herzen" *RILKE*
from We-No-Nah on 10/16/2009 10:01 AM
ICH LEBE MEIN LEBEN <==klick
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
*Rainer Maria Rilke* 20.9.1899
Re: "In meinem wilden Herzen" *RILKE*
from sungmanitu-wakan on 10/16/2009 07:57 AMDanke Heidrun!
Erst habe ich gemerkt, daß es so ist -
und dann habe ich begriffen warum es nicht anders sein kann.
Und doch will ich das es anders wird!
Tucholsky
Re: "In meinem wilden Herzen" *RILKE*
from We-No-Nah on 10/16/2009 01:09 AMRe: "In meinem wilden Herzen" *RILKE*
from We-No-Nah on 10/15/2009 05:21 PMRe: "In meinem wilden Herzen" *RILKE*
from We-No-Nah on 10/15/2009 03:20 PM
ALLES IST EINS <==klick
Einmal, am Rande des Hains,
stehn wir einsam beisammen
und sind festlich, wie Flammen -
fühlen: Alles ist Eins.
Halten uns fest umfaßt;
werden im lauschenden Lande
durch die weichen Gewande
wachsen wie Ast an Ast.
Wiegt ein erwachender Hauch
die Dolden des Oleanders:
sieh, wir sind nicht mehr anders,
und wir wiegen uns auch.
Meine Seele spürt,
daß wir am Tore tasten.
Und sie fragt dich im Rasten:
Hast Du mich hergeführt?
Und du lächelst darauf
so herrlich und heiter
und: bald wandern wir weiter:
Tore gehn auf..
Und wir sind nichtmehr zag,
unser Weg wird kein Weh sein,
wird eine lange Allee sein
aus dem vergangenen Tag.
*Rainer Maria Rilke*

Re: "In meinem wilden Herzen" *RILKE*
from We-No-Nah on 10/15/2009 03:00 PM
VORGEFÜHL <= klick
Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben.
Ich ahne die Winde, die kommen, und muss sie leben,
während die Dinge unten sich noch nicht rühren:
die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille;
die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer.
Da weiß ich die Stürme schon und bin erregt wie das Meer.
Und breite mich aus und falle in mich hinein
und werfe mich ab und bin ganz allein
in dem großen Sturm.
*Rainer Maria Rilke* Herbst 1904
Re: "In meinem wilden Herzen" *RILKE*
from We-No-Nah on 10/15/2009 02:44 PM
Das Karussel<= klick
Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.
Sogar ein Hirsch ist da ganz wie im Wald,
nur daß er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.
Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand,
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und das geht hin und eilt sich, daß es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet,
an dieses atemlose blinde Spiel.
*Rainer Maria Rilke*
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Das Karussell ist eins der bekanntesten Gedichte von Rainer Maria Rilke. Er schrieb es im Jahre 1906 in Paris.
Inhaltlich konfrontiert das Gedicht die Perspektive des erwachsenen Betrachters mit der phantasievollen Welt der Kinder. Geblendet von der Schönheit der Kinderwelt weiß der Erwachsene gleichzeitig um deren Begrenztheit......
Zentral für die Analyse könnten hier die älteren Mädchen sein, die noch einmal in die Welt der Kinder eintreten wollen, aber – fast wie die Erwachsenen – nicht mehr in der Lage sind, sich dem „blinden Spiel“ ganz hinzugeben und „aufschauen, irgendwohin, herüber“, in die Welt der Erwachsenen. Quelle

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