Behandlungsleitlinien

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Leya

-, Weiblich

Beiträge: 4779

Behandlungsleitlinien

von Leya am 12.11.2010 02:51

Hallo,

Mirja hatte in diesem Thread

https://lupuslive.yooco.de/forum/show_thread.html?id=9416008&p=12


geschrieben:

Es müssen Leitfäden für Ärzte her bezüglich Kollagenosen, die auch den unerfahrenen Ärzten zugänglich sind:
Was ist bei welchen Symptomen zu überprüfen?
Wie sind die Befunde zu bewerten bei Kollagenosen?
Wie sind die Blutwerte zu beurteilen? ANA, ENA, BB

Zur Not könnten wir Patienten diesen mit zu dem Arzt nehmen. Könnte man diesen vielleicht über die Rhauma-Liga erstellen lassen. Dann hätte man was offizielles von einem anerkannten Verein.



Ich habe mich diesbezüglich ein wenig umgeschaut.

Leitlinien:

Behandlungsleitlinien

Die Deutsche Rheuma-Liga arbeitet bei der Erstellung von Leitlinien mit. In den Leitlinien wird festgelegt, wie die Versorgung bei bestimmten Erkrankungen erfolgen soll. Dabei wird berücksichtigt, welche wissenschaftlichen Nachweise es für die Effektivität von Medikamenten und anderen therapeutischen Maßnahmen gibt.

Auf der Grundlage der besten wissenschaftlichen Studien und des Erfahrungswissens der Experten werden dann Leitlinien erstellt, die zeigen, wie eine möglichst effektive medizinische Versorgung aussieht. Bisher gibt es nur wenige solcher Leitlinien für die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Erstellt wurde eine Leitlinie zur Fibromyalgie, Osteoporose und zur Rheumatoiden Arthritis.



Die Deutsche Rheuma-Liga arbeitet ebenfalls an der Erstellung einer Nationalen Versorgungsleitlinie zum Thema Kreuzschmerz mit. Neben der Deutschen Rheuma-Liga sind weitere Patientenorganisationen in einem begleitenden Patientengremium vertreten.


Quelle: http://www.rheuma-liga.de/home/layout2/page_sta_152.html

Eine Behandlungsleitlinie für alle Kollagenosen gibt es bekanntlich noch nicht. Ich persönlich bin der Meinung, dass es diese auch nicht geben wird, da es sehr viele Kollagenosen gibt und dazu jede einzelne Kollagenose auch noch in unterschiedlichsten Ausprägungen. Aber es wäre sicher gut, wenn es für weitere Kollagenosen Leitlinien gäbe.

Ich habe gefunden:

Leitlinie kutaner Lupus Erythematodes

http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/013-060.htm


Zerebrale Vaskulitis - Der systemische Lupus wird explizit erwähnt....bitte ggf. lesen:

http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-085.htm

Weil gerade in dem ganz oben genannten Thread erhebliche Probleme in der Diagnostik durch Neurologen erwähnt werden, bin ich diesem Hinweis aus dem vorgenannten Text nachgegangen:

Eine Klassifikation der neuropsychiatrischen Manifestationen des SLE liegt vor (Ad Hoc Committee on Neuropsychiatric Lupus Nomenclature 1999).


Gemeint ist damit: New American College of Rheumatology Criteria for Neuropsychiatric Lupus Syndromes

Es dürfte sich dabei um diese 19 Kriterien handeln:

Neuropsychiatric Syndromes Observed in Systemic Lupus Erythematosus

I. Central Nervous System

* Aseptic meningitis
* Cerebrovascular disease
* Demyelinating syndrome
* Headache (including migraine and benign intracranial hypertension)
* Movement disorder (chorea)
* Myelopathy
* Seizure disorders
* Acute confusional state
* Anxiety disorder
* Cognitive dysfunction
* Mood disorder
* Psychosis

II. Peripheral Nervous System

* Acute inflammatory demyelination polyradiculoneuropathy
* Autonomic disorder
* Mononeuropathy, single/multiplex
* Myasthenia gravis
* Neuropathy, cranial
* Plexopathy
* Polyneuropathy


http://www.lupus.org/webmodules/webarticlesnet/templates/new_empty.aspx?articleid=459&zoneid=76

Auf Deutsch hier auf Seite 5

http://www.rheumaakademie.de/fileadmin/media/EULAR_2006_Kollagenosen-2.pdf

und hier:

Neuropsychiatrische Syndrome beim SLE

Zentralnervensystem

Aseptische Meningitis
Zerebrovaskuläre Ereignisse
Demyelinisierendes Syndrom
Kopfschmerzen
Chorea
Myelopathie
Epilepsie
Akuter Verwirrungszustand
Angststörung
Kognitive Dysfunktion
Gemütsschwankungen
Psychose

Peripheres Nervensystem

Akut entzündliche demyelinisierende Polyradikuloneuropathie
Autonome Neuropathie
Mononeuropathie
Myastenia gravis
Kraniale Neuropathie
Plexopathie
Polyneuropathie


Quelle: http://www.rheuma-schweiz.ch/downloads/rheumanachrichten/50/Rheumanachrichten_50_08.pdf



Hier auf Englisch noch ein wenig mehr dazu:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11642640
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14714904
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15580983
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12126586


Hier noch die vielen bereits bekannten ACR-Kriterien für den "Gesamt"-SLE

1. Schmetterlingserythem
2. Discoide Hautveränderungen
3. Photosensibilität
4. Orale Ulzerationen
5. Arthritis
6. Serositis (Pleuritis / Perikarditis)
7. Nierenerkrankung
8. Neuologische Erkrankung
9. Hämatologische Erkrankung
10. Immunologische Erkrankung
11. Antinukleäre Antikörper

Quelle und Details hier: http://dgrh.de/fileadmin/media/Praxis___Klinik/Kriterien/PDFs/12-SLE-01.pdf

Weitere Klassifikationskriterien hier: http://dgrh.de/klassifikationskriterien.html


Zu der Diagnostik, die vorzunehmen ist, um überhaupt erst diese Kriterien ermitteln zu können und
zu der Therapie, die dann einzuleiten ist, wenn die eine oder Diagnose gestellt wurde, sagt das ja alles noch nichts. Vermutlich füllen diese Themen ganze Bibliotheken.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 12.11.2010 03:28.

Leya

-, Weiblich

Beiträge: 4779

Re: Behandlungsleitlinien

von Leya am 12.11.2010 03:56

Zum neuropsychiatrischen Lupus

Zur Diagnostik

Die Abklärung neurologischer Symptome beinhaltet eine neurologische und internistische Untersuchung und den Nachweis von Antikörpern im Blut. Zusatzuntersuchungen können das EEG (Elektroenzephalogramm oder Hirnstromkurve), die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit im ENG (Elektroneurogramm) oder eine umfassende neuropsychologische Testabklärung sein. Wichtig ist die bildgebende Darstellung mit dem MRI (Magnetresonanz - Tomogramm).


http://www.slev.ch/index.php?id=0:402:rundbrief/rbs:1:g:0::::0:2001:0:arzt:0:0:


Der Lupus erythematodes ist oft nur schwierig gegen eine Reihe nichtrheumatischer Erkrankungen abzugrenzen. Auf Grund der möglichen Heterogenität des Erscheinungsbildes reicht dabei das Spektrum von psychiatrischen Zustandsbildern bis hin zu verschiedensten schweren Infektionen, aber auch Lymphomen.

Auf Grund der vielfältigen Symptomatik ist beim Lupus erythematodes nicht nur die Differenzialdiagnose gegenüber anderen rheumatischen Erkrankungen wichtig. So kann der SLE unter anderem auch eine Vielzahl neurologischer und psychiatrischer Symptome wie Kopfschmerzen oder Ängstlichkeit, aber auch Anfälle oder Psychosen verursachen. Solche Symptome sind häufig und treten oft am Beginn der Erkrankung auf, meist, jedoch nicht immer, in Kombination mit anderen Symptomen.

Gemäß den Empfehlungen der EULAR sollte die Diagnostik bei Lupus-Patienten nicht anders gestaltet werden als bei Menschen aus der Normalbevölkerung, die sich mit den gleichen Symptomen präsentieren. Die Diagnose einer ZNSBeteiligung im Rahmen eines Lupus ist damit eine Ausschlussdiagnose. Treten die Symptome in Kombination mit Fieber auf, ist eine Liquoruntersuchung zum Ausschluss einer ZNS-Infektion indiziert.

Laut EULAR wird MRI als bildgebende Methode der Wahl empfohlen. Diese hat beim Lupus mit neuropsychiatrischen Manifestationen jedoch eine Sensitivität von durchschnittlich 57 Prozent, was die diagnostischen Schwierigkeiten verdeutlicht. Die Prozesse, die zu den neuropsychiatrischen Symptomen führen, können thrombotischer oder entzündlicher Natur sein, was sich allerdings in der Praxis oft schwer unterscheiden lässt.

Das ist insofern problematisch, als diese Unterscheidung Konsequenzen für die Therapie hat. Während im Falle einer entzündlichen Ursache eine immunsuppressive Therapie indiziert ist, kommen im Falle einer Thrombose Thrombozytenaggregations- Hemmer und/oder Antikoagulanzien zum Einsatz.

Generell und nicht nur im Falle einer ZNS-Beteiligung muss ein Lupus differenzialdiagnostisch gegen verschiedenste Infektionskrankheiten abgegrenzt werden. Dabei ist nicht zuletzt auch an eine Lyme- Borreliose zu denken, die ähnlich unspezifische Symptome verursachen kann. Die Differenzialdiagnose ist hier insofern von großer Bedeutung, als eine immunsuppressive Lupus-Therapie im Falle einer bestehenden Infektion katastrophale Folgen haben kann........


Quelle: http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=105861&dspaid=894471

Wer tiefer einsteigen möchte, dem seien diese Ausführungen der Eular empfohlen, auf die der vorherige Text Bezug nimmt:
Auf Englisch, ab Seite 19 der PDF-Datei:
http://www.eular.org/myUploadData/$$$_files/EULAR%20rec%20for%20the%20management%20of%20SLE.pdf

Ausführungen der Charité zu: Beteiligung des Nervensystems beim SLE

http://rheumatologie.charite.de/index/Category4/536.html;jsessionid=ae6q2uma7C19

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Mirja
Gelöschter Benutzer

Re: Behandlungsleitlinien

von Mirja am 12.11.2010 08:57

vielen Dank Leya,

habe mir einiges augedruckt, und habe auch noch Erklärungen zu den Untersuchungen gefunden, die ich gerade hatte. und Bewertungen.

Liebe Grüße

Mirja

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