Gedichte

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Renate
Gelöschter Benutzer

Re: Gedichte

von Renate am 27.10.2010 10:53

Träume nur, Seele

In den verdämmernden Herbsttag hinein
zauberst du lachenden Sonnenschein,
und aus der Blätter vergilbendem Flor
blühen dir duftige Veilchen empor,
träumende Seele.

Tönt denn der Glocken dumpfhallender Klang
dir wie ein schmetternder Lerchengesang?
Siehst du der Erde verweintes Gesicht,
fühlst du die eisigen Nebel denn nicht,
träumende Seele? -

Träume nur, träume ... der Frühling ist weit;
Rosen hat's nimmer im Winter geschneit -
dumpf nur und klagend, verweht vom Nordwest,
läuten die Glocken zum Totenfest.
Träume nur, Seele

Clara Müller (1861-1905)

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Fiete_Appel...

55, Weiblich

Beiträge: 540

Re: Gedichte

von Fiete_Appelschnut am 13.07.2010 15:40

aus aktuellem Anlaß (bei uns hats gestern drei Riesenbäume umgeworfen!):

Der Himmel wird so schwarz, als würd es Nacht.
Der bleiche Schein der fernen Blitze loht.
Wie Todes Aug aus gelber Maske droht.
Das Wetter zieht herauf in dunkler Pracht.

Der erste Windstoß preßt die Kiefern rauh.
Die Raben wirbeln auf wie schwarzes Laub.
Vom weißen Strande wälzt sich hoch der Staub.
Und zieht zur See hinaus wie Wolken grau.

Die Möwen ziehn am Wasser ihren Kreis.
Ihr Fittich ist wie Frauenschultern rein.
Des Ufers Villen stehen in dem Schein
Des wetterdunklen Himmels seltsam weiß.

Der Regen rauscht in Abends Dunkelheit.
Fern in den Wolken noch der Donner hallt.
Im Wind und Regen friert der Uferwald
Wie in Novemberabends Traurigkeit.

Georg Heym, 1887-1912

Meine neue Homepage ist endlich fertig!

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hanni_nanni
Gelöschter Benutzer

Re: Gedichte

von hanni_nanni am 13.07.2010 14:18

Mein Zimmer duftet königlich fein,
Veilchenprinzessinnen zogen ein.
schwärmen und wärmen mit weichblauen Augen,
fächeln und hauchen schmachtende Lächeln,
winken mit feinen, vornehmen Gliedern,
laden mich ein.
Ich neige mich nieder,
ihr Page bin ich,
ihre Lippen sind mein.
Ich schwöre ewige, ewige Liebe,
sie schweigen so süß,
schauen so ernst aus schwerblauen Augen.
Meinen, Sie, Schwüre und Blumen verwelken?
Sie lächeln und weinen,
meine kleine Prinzessen.

Dauthendy, Max (1867-1918)

lg hanni-nanni

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Micky

55, Weiblich

Beiträge: 2487

Re: Gedichte

von Micky am 13.07.2010 13:01

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Hermann Hesse)

Gruß Micky

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Renate
Gelöschter Benutzer

Re: Gedichte

von Renate am 12.07.2010 22:43

Ich bin der Juli

Grüß Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze.
Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze?

Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,
die Ähren sind zum Bersten voll;

reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten.

So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf nun ein bisschen im Schatten ruhn.

Duftender Lindenbaum,
rausche den Sommertraum!

Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schwüle?
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.

(Paula Dehmel 1862 - 1918)

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Melanie80

46, Weiblich

Beiträge: 2701

Re: Gedichte

von Melanie80 am 09.07.2010 11:11

Wie lange ich lebe, hängt nicht von mir ab.
Dass ich aber wirklich lebe,solange ich bin,
das hängt von mir ab.

(Seneca)

http://www.cosgan.de/images/smilie/musik/k015.gif

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Kamelia

89, Weiblich

Beiträge: 149

Re: Gedichte

von Kamelia am 09.07.2010 11:08

"Anfangs wollt ich fast verzagen,
Und ich glaubt, ich trüg es nie;
Und ich hab es doch getragen-
Aber fragt mich nur nicht, wie ?

Heinrich Heine
(aus Buch der Lieder)

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Renate
Gelöschter Benutzer

Re: Gedichte

von Renate am 09.07.2010 10:00

Sommer

Sieh, wie sie leuchtet,
Wie sie üppig steht,
Die Rose -
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht -
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heißen Hand .

Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muss dem stillen Sommer nun gewähren -
Hörst du das Rauschen goldener Ähren?
Es geht der Sommer über's Land ...

(Thekla Lingen 1866-1931)

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hanni_nanni
Gelöschter Benutzer

Re: Gedichte

von hanni_nanni am 09.07.2010 01:05

Rose und Schmetterling


Wenn das weiße Morgenlächeln
über meinem Kelche hängt,
und der Frühluft leises Fächeln
sich in meinem Haar verfängt,
daß mein grüner Körperstengel
sehnsuchtschwer sich überneigt,
kommt ein schöner Falterengel,
der mit mir zum Himmel steigt.

Meine duftige Gewandung
wandelt er zum Flügelkleid,
über Tag und Mittagsbrandung
schweben wir durch lose Zeit.
Und wir schaukeln, und wir strahlen
unsre Seelen in die Luft,
füllen alle Blütenschalen:
er mit Farbe, ich mit Duft.

Rose Ausländer (1901-1988)

LG hanni_nanni

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Renate
Gelöschter Benutzer

Re: Gedichte

von Renate am 08.07.2010 22:23

Wie liegt die Welt

Wie liegt die Welt so frisch und tauig
vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
ins grüne Tal hinein.

Mit allen Kreaturen bin ich
in schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
und eben darum lieb ich sie.

Und wird auch mal der Himmel grauer;
wer voll Vertrau'n die Welt besieht,
den freut es, wenn ein Regenschauer
mit Sturm und Blitz vorüberzieht.

(Wilhelm Busch)

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