Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
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Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von Leya am 11.06.2012 15:50Hallo,
diese Meldung scheint mir zu diesem Thema zu gehören.
Kliniken fehlen Medikamente
Die Krankenhäuser in Deutschland kämp- fen einem Zeitungsbericht zufolge mit Lieferengpässen bei lebenswichtigen Medikamenten. Insbesondere könnten Pharmafirmen nicht ausreichend Krebsmedikamente und Antibiotika liefern, berichtete die "Frankfurter Rundschau". In manchen Fällen würden Patienten schon mit Arzneien behandelt, die nur zweite Wahl seien. "Lieferengpässe bei relevanten Arzneimitteln" bestätigte auch der Geschäftsführer des Verbandes deutscher Krankenhausapotheker, Tönne. Als Gründe nannte der BPI u.a. Herstellungsprobleme.
Quelle: ARDText Seite 532 am 11.06.2012 um 15:49
http://ardtext.de/?page=532
Warum ist mir dabei bloß sofort "Erpressung" eingefallen? Ob das nur an dem Buch liegt, das ich gerade lese?
Gruß
Leya
Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von solea am 11.06.2012 11:40@Leya
puh, da stockt einem echt der Atem
http://www.zeit.de/2012/21/Klinik-Gesundheitsreform
Gesundheit ist ein Allgemeingut und das höchste Gut...
Gruß
solea
desiderata
Gelöschter Benutzer
Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von desiderata am 11.06.2012 11:16@Bianca
Ich glaube nicht, dass du etwas falsch verstanden hast. Die Thematik ist viel komplexer, als sie hier überhaupt diskutiert werden kann.
Ein paar Aspekte:
1. Die Krankenkassen bestimmen mit, wie die Existenz von Krankenhäusern läuft (Moral? Optimale Versorgung? Fehlanzeige - es geht NUR ums Geld) - u.a. dadurch, dass sie gezielt Erlöse wegbegutachten und damit ihre eigene "Wirtschaftlichkeit" zu Lasten der eigentlichen Leistungserbringer schönrechnen. Nicht umsonst beträgt der Bürokratieaufwand der kranken Kassen ca. 25 % des Gesamtumsatzes - das waren 2011 schlappe vierzig Milliarden Euro!! für Verwaltung. Diese 40 Milliarden zahlen die Versicherten.....
2. Pharmafirmen sponsern in der Tat zahlreiche Fortbildungen (vielleicht sogar in der Toscana, wie solea schreibt) - nehmen die Teilnehmer diese nur für ihren eigenen Vorteil wahr?? Wo und wie bilden sich die Unbestechlichen von MEZIS fort? Wieso sollte jemand nach der Teilnahme an einem Kongress, der von 50 oder 60 Firmen unterstützt wird und ohne diese Gelder nie stattfinden könnte, nicht im Sinne der ihm Anvertrauten entscheiden können?
Fakt ist: Fortbildung kostet Geld - egal, ob dieses aus der Kasse des Fortzubildenden kommt (die dafür entsprechend gefüllt sein müsste....), aus der Kasse der Pharmaindustrie (böse!) oder aus Steuergeldern (wer würde das befürworten??)
Alles Andere ist ein frommer Wunsch. Davon alleine gibt es keinen medizinischen Fortschritt - und von Moral alleine kann kein noch so engagierter Akteur im Gesundheitswesen dauerhaft leben, und wenn er noch einigermaßen gesund im Kopf ist, will er das auch nicht.
Macht und Einfluss im Gesundheitswesen haben längst Andere als die, die an der Front arbeiten - deren Einfluss ist eher marginal....und ich gebe dir völlig Recht, dass ohne geselleschaftliches Umdenken (global!!) und Umschichtung von großen Mengen Geld keine "moralische" Änderung in Sicht ist.
LG, desiderata
Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von solea am 11.06.2012 11:15@Bianca
natürlich gebe ich Dir recht, dass auch andere Berufsgruppen ethisch handeln sollten.
Irgendwie sind diese Werte nicht mehr so "hip", aber das andere Berufsgruppen sich auch nicht ethisch verhalten, kann ich ja als Gegenargument nicht zählen lassen.
Grüße
solea
Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von solea am 11.06.2012 11:08Hallo Bianca,
ich wollte Dich nicht im Forum willkommenheißen (da wäre ich ja wirklich eine Schnarchnase) sondern im Thread. 
Ich glaube, da gibt es wirklich ein Missverständnis. Es geht ja auf der Mezis-Seite um "Bestechlichkeit" von Ärzten durch Pharmafirmen, nicht darum, dass Ärzte keine Medikamente mehr rezeptieren sollen.
Ärzte werden durch die Krankenkassen (und damit von den Beiträgen der Versicherten) für ihre Arbeit entlohnt, das sollte so bleiben.
Und ich finde tatsächlich, dass auch Arzthelferinnen und Gesundheits-und Krankenpflegerinnen keine Geschenke annehmen sollten, aus den gleichen Gründen.
Auch Selbsthilfegruppen, die sich durch Pharmafirmen finanzieren lassen finde ich problematisch. Bestechung und Korruption ist oft sehr subtil.
Hallo Leya,
danke für deine Links, da habe ich ja wieder viel zu stöbern
, lass ich das Fensterputzen doch sein...
liebe Grüße an Euch
solea
Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von Bianca am 11.06.2012 09:28Liebe Solea, schau bitte mal auf die Anzahl meiner Beiträge usw., da kommst du vier Jahre zu spät, aber trotzdem vielen Dank!

@desiderata
Ja, das hatte ich schon richtig verstanden, aber das Geld zahlen ja die Krankenkassen, die Fortbildungen/Geschenke die Pharmafirmen, oder hab ich da irgendwas komplett falsch verstanden? Für mich hieße die Organisation mezis im Umkehrschluss, dass die Ärzte nur noch Selbstzahler behandeln um krankenkassenunabhängig agieren zu können und keine Pharmavertreter mehr in ihre Praxis lassen. Selbstzahlerpraxen ja momentan eh der Trend...
Leya, natürlich heiße ich das nicht gut. Für mich ist das nur ein Beispiel wie vielfältig die "Bestechung" aussieht (geht auch konform mit deiner Aussage zu den MVZ-Einweisungen) und es ist ja fraglich, wo sie anfängt und wo aufhört. Arzthelferinnen bekommen ja auch oft Süßigkeiten/Geld zugesteckt, sollen sie das dann auch abweisen, weil der Patient denken könnte, beim nächsten Mal müsse er nicht so lange warten?!
Liebe Leya, für mich kann jeder Friseurbesuch schubauslösend sein. Meine Kopfhaut ist dermaßen vom Lupus angegriffen, dass ich mir beim Friseur nur noch die Haare trocken schneiden lasse und doch habe ich nach jedem Besuch noch mehr Pusteln, noch mehr Juckreiz, noch mehr Beschwerden. Die Uniklinik hat es krass ausgedrückt: "...wenn Haare färben tödlich enden kann..." soviel zu unfatalen Friseurfolgen
Aber nochmal zum MVZ:
Gerade diese enge Zusammenarbeit schätze ich sehr. Meine Rheumatologin ist im MVZ Rheumatologie beschäftigt ebenso wie auf der normalen Rheumatologie-Station, so komme ich stationär natürlich immer zu ihr, aber besser kann es doch nicht sein, oder?! Sie hat alle Befunde, kennt mich gut und so werden auch überflüssige Doppeltuntersuchungen vermieden. Mir gefällt, dass die anderen Stationen bei Konsiliaruntersuchungen direkten Zugriff auf Untersuchungsergebnisse haben, so dass sie nicht erst hin und her telefonieren müssen. Gerade in der Schwangerschaft und bei der Geburt habe ich das als einen absoluten Vorteil empfunden und nur so konnte eine fatale Fehlmedikation verhindert werden!
Letztendlich ist das aber meine spezielle Situation, ebenso wie mit dem Friseur, nicht jeder Lupie hat eine solche Kopfhaut wie ich, nicht jeder Lupie hat nen Rheumaarzt im MVZ...
Und ja, auch ich finde, dass Ethik im Berufsleben eine wichtige Rolle spielen muss, doch wo zieht man hier Grenze, wer ethisch tätig sein muss und wer nicht, wo zieht man die Grenze zur Körperlichkeit? Ist nicht auch ein Bauleiter für mich verantwortlich, wenn er billigen Baustoff nimmt und ich in den Trümmern des Hauses verletzt werde oder durch Gifstoffe krank werde?
Das Thema ist hochspannend und wichtig und bedarf der ausführlichen Diskussion in der Öffentlichkeit.
Die 25 Jahre zwischen 30 und 40 sind die besten im Leben einer Frau!
desiderata
Gelöschter Benutzer
Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von desiderata am 11.06.2012 07:59@solea
Völlig d´accord!
Ich finde aber auch, dass Ethik kein Selbstzweck ist und dass sie durchaus auch außerhalb dieser Berufsgruppen wünschenswert ist.
Übrigens bin ich nach deinem Verständnis auch unmodern.....
Mich stimmt allerdings nachdenklich, zu sehen, wie an sich hochwertige Begriffe wie "Moral" und "Ethik" in unserer sonst so freiheitsliebenden Gemeinschaft gezielt instrumentalisiert werden.
Über die wahren Interessen dahinter lohnt es sich durchaus auch zu sinnieren.
Mulmig ist mir bei zahlreichen Geschehnissen, auf die ich jetzt gar nicht näher eingehen will, auch - maybe mit leicht abweichenden Prioritäten

Beste Grüße, desiderata
Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von Leya am 11.06.2012 05:01@ Solea
Bevor ich es vergesse: Vielen Dank für den Link http://www.mezis.de/
Sehr interessant!
---
Nachdem ich ja nun gerade meinem Unwohlsein in einem Rundumschlag Ausdruck gegeben habe, nun zurück zu dem Thema "Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl".
Der Flyer von Mezis führt aus:
Und auch vor Ort sponsoren Hersteller die regionale Fortbildung. Und wir sind es eigentlich leid, dass Essen und der passende Wein uns in Stimmung bringen sollen. Wir ärgern uns, dass Rednerinnen und Redner die ständig von neuen Medikamenten berichten – manchmal werden sie vom Sponsor ja auch gleich mit den richtigen Powerpoint-Folien bestückt.
20 Millionen Mal pro Jahr besuchen 15.000 Pharmareferentinnen und -referenten unsere Praxen und Krankenhäuser. Ohne unsere Zustimmung analysieren sie unser Verschreibungsverhalten und versuchen es durch Gespräche, Muster und andere geldwerte Leistungen zu beeinflussen.
Wollen wir uns „objektiv“ in Zeitschriften informieren, so ist auch das mühsam geworden: Planung und Datenauswertung von Arzneimittelstudien liegen zu 90 % in der Hand von Herstellern, viele Medizinzeitschriften und selbst ärztliche Fachgesellschaften sind komplett von Anzeigenerlösen und Herstellersubventionen abhängig.
Quelle: http://www.mezis.de/images/Flyer_MEZIS.pdf
Das stimmt doch sehr bedenklich.
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@ Bianca
Das heißt Du doch nicht etwa gut, oder?
Gruß
Leya
Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von Leya am 11.06.2012 04:16Hallo,
diesen Ausführungen von Solea stimme ich ausdrücklich zu:
Als Patientin und auch als Angehörige habe ich schon länger ein mehr als mulmiges Gefühl, wenn es um medizinische Betreuung geht.
Krankenhäuser, die ausschließlich gewinnorientierte Privatunternehmen sind. Deren Angestellte, die sich ausschließlich nach den Vorgaben ihres Arbeitgebers zu richten haben und nicht mehr gemäß medizinischen Standards arbeiten können, weil sie ansonsten ihren Job verlieren.
Beteiligte im Gesundheitssystem, die, wo möglich, die die "Ersatzteile" nutzen, die für sie am kostengünstigsten sind, und nicht die, die für den Patienten am besten wären.
Beteiligte im Gesundheitssystem, die mit Patienten Anwendungsstudien durchführen, weil sie je Patient von dem Pharmahersteller einen Betrag erhalten, und das ohne Wissen und Zustimmung des Patienten.
Mediziner in medizinischen Versorgungszentren, deren Eigentümer Krankenhäuser sind. So dass die Ärzte eigentlich Angestellte dieses Krankenhauses sind und, wenn es um Krankenhausbehandlungen geht, an eben diese verweisen anstatt an das geeigneteste Krankenhaus.
Und vieles mehr.
Ich fühle mich dem nicht nur hilflos ausgesetzt, sondern auch extrem gefährdet. Dass dieser Themenbereich nun in den Fokus der Öffentlichkeit gekommen ist, kann ich nur begrüßen.
Eine Selbstverpflichtung ist nicht ausreichend. Selbstverpflichtungen werden niemals eingehalten. Kontrolliert ja keiner!
Anke Martiny, Gesundheitsexpertin und Vorstandsmitglied der Antikorruptions-Organisation "Transparency International Deutschland" macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass allerdings diese Selbstkontrolle der Ärzte anscheinend nicht funktioniere
http://www.maybritillner.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/maybrit-illner/2942124/22823138/d8481c/Verteilungskampf-am-Krankenbett.html
Ist bei einigen Medizinern und Krankenhäusern, Pharmaunternehmen und anderen "Zulieferern" (Endoprothesen, Herzschrittmacher und und und) ausschließlich ihr Einkommen Maßstab für ihre Entscheidungen und nicht etwa das Wohl des einzelnen Patienten, dann belastet gerade dies "das Budget", denn für die monetären Folgen der dadurch entstehenden Fehlbehandlungen stehen dann diese Mediziner, Pharmaunternehmen und Zulieferer eben nicht gerade, sondern sie werden aus den Sozialkassen gedeckt.
Dass möglicherweise einige Selbsthilfegruppen von Pharmaunternehmen oder von Herstellern von Hilfsmitteln finanziell unterstützt werden, mag jeder für sich selbst beurteilen. Ich persönlich würde niemals eine Selbsthilfegruppe betreiben wollen, die finanziell von diesen Unternehmen abhängig ist.
Andererseits kann ein Kontakt (! - keine finanzellen Hilfen) zu manchen Akteuren des Gesundheitsbereiches auch und gerade für Selbsthilfegruppen sehr hilfreich sein. Z. B. sind bei Gruppentreffen von Patienten, die eine Sauerstoffdauertherapie benötigen, O2-Lieferanten nicht nur aus Gründen der O2-Versorgung vor Ort gewesen, sondern eben auch, damit sich die Patienten über die unterschiedlichen Geräte informieren konnten. Gleiches hörte ich von CPAP Herstellern. Auch diese stellten bei Gruppentreffen Geräte vor. Finde ich persönlich unverzichtbar. Es ist hier also m. E. klar zu unterscheiden zwischen finanzieller Unterstützung und Vorstellung von Hilfsmitteln durch mehrere Hersteller gleichzeitig.
Ob und was mein Frisör an Produkten benutzt, ist mit dem Gesundheitssystem wohl kaum zu vergleichen. Als Verbraucher, der sich glücklicherweise über Produkte aller Art Informationen beschaffen kann, entscheide ich allein, was mein Frisör bei mir benutzt. Ich befinde mich bei einem Frisör auch nicht in einer Ausnahmesituation wie bei einem Arzt, wenn ich krank bin. Und begehe ich oder der Frisör doch einmal ein Fehler und sind die Haare ab, dann wachsen sie ja auch wieder nach. Fehleinschätzungen im Gesundheitssystem hingegen können fatale Folgen haben.
Die Zeit titelte übrigens am 16.05.2012
Weil es für die Klinken nicht rechnet, wird Patienten oft die richtige Behandlung vorenthalten. Einige Mediziner können das nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren. Sie berichten von unhaltbaren Zuständen
Kompletter Text (6 Seiten) - Das Ende der Schweigepflicht - http://www.zeit.de/2012/21/Klinik-Gesundheitsreform
oder - einfacher zu lesen - als PDF: http://pdf.zeit.de/2012/21/Klinik-Gesundheitsreform.pdf
Gruß
Leya
P.S.: Bei meiner Hausärztin und meiner Rheumatologin fühle ich mich gut aufgehoben.
Re: Einfluss der Pharmaindustrie auf die Therapieauswahl
von solea am 10.06.2012 21:58Hallo desiderata und Bianca ,
gerne nehme ich mir die Zeit euch freundlich zu begrüßen, ich denke, das gehört zu den gewollten Umgangsformen in unserem Forum. 
Ich will hier gar nicht so viel Stellung beziehen, den die vorgestellte Seite halte ich für "selbsterklärend", wenn man sich wirklich für dieses Thema interessiert.So kommt es gar nicht zu Missverständnissen, denn ich habe mich weder gegen Schulmedizin noch Medikamente ausgelassen. Generell kann man sich über Google auch weitere Informationen über dieses Thema durchlesen, wenn man einer Quelle nicht vertrauen möchte, ich finde sogar, das sollte man unbedingt.
Eine Anmerkung sei mir hier aber erlaubt: ich finde es gibt absolut ethisch verpflichtete Berufsgruppen, auch wenn meine Meinung unmodern ist. Dazu zähle ich, unter anderem Ärzte, und auch Politiker. Auch ich unterwerfe mich dieser Ethik und Moral. Wer Macht und Einfluss hat, benötigt diese Selbstregulierung unbedingt.
Ich weiß viele Ärzte zu schätzen, verurteile aber ganz sicher die, die ihre Stellung ausnutzen.
Ich freu mich über diese lebhafte Disskusion
freundliche Grüße
solea

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